Drucken E-Mail

Botanischer Streifzug durch die Insel Tilos

Adresse des Verfassers: Wilfried Kaufmann  , Höfle 11  , LI-9496 Balzers

Vom 18. - 27. April 2005 besuchte ich mit Freunden Tilos. Es war unsere jährliche Frühjahrsfahrt, die uns meistens in die Ägäis führt, und dies seit 1972! Es war unsere 32. Fahrt. Bei der Vorbereitung stießen wir über einen Internetaufruf auf Konstantinos Mentzelopoulos, Direktor des Tilos Park Projektes. Er wurde für uns eine wichtige Stütze und Ratgeber während unserer Feldarbeit über Flora und Fauna von Tilos. 

Unsere Gruppe bestand aus PD Dr. Mario Broggi, Dr. Peter Goop (Faunagruppe), Dr. Christian Burri, Mag. Günther Stadler, Edith Waldburger und mir. Wir waren die „botanische Abteilung“. Insgesamt fanden wir fast 350 Pflanzenarten, viele davon sind bemerkenswert. Unsere Floraliste liegt diesem Bericht bei. Die Liste muss noch bereinigt werden, hauptsächlich was die Orchideen angeht. Dies wird noch einige Zeit dauern. Die Liste ist auch für künftige Begehungen auf Tilos gedacht. Wir sind dankbar für Ergänzungen und Verbesserungen. Denn in so kurzer Zeit ist es unmöglich, eine umfassende Liste zu erstellen.

Die Umweltzerstörung

Unsere Pflanzenliste zeigt, dass das Tilos Park Projekt eine große Gelegenheit bietet, einen umfassen Schutz der ägäischen Flora zu beginnen. Wir haben in all den Jahren viele ägäische Inseln besucht, und beinahe alle litten unter Umweltzerstörungen besonderer Art: 

·         Zerstörung der Natur in klassischen Zeiten

·         Dies war gefolgt von Hunderten von Jahren der Überbeweidung mit Schafen und Ziegen

·         Dies wiederum führte zu einer Verarmung von Flora und Fauna

·         Auf den ägäischen Inseln trafen wir Agrarwüsten in einer Landschaft, die eigentlich von der Natur her Generationen von Natur- und Kulturtouristen entzücken könnte

·         In unserer Zeit wurde der Umweltzerstörung auf den Inseln noch Vorschub geleistet durch die Subventionierung der Anzahl Schafe und Ziegen im Rahmen der europäischen Förderungsprogramme. Glücklicherweise ist diese unselige Förderung nun umgekehrt worden. Jetzt subventioniert die EU die Reduktion der Herden. Flora und Fauna können sich nun langsam erholen, ausgehend von einem sehr tiefen Niveau. Wenn wir die Flora von Tilos nach unserem Besuch bewerten, gilt meine erste Empfehlung der Reduktion der Schaf- und Ziegenherden. Dies ist der Angelpunkt bei der Regeneration von Flora und Fauna. Wo immer eine vernünftige Anzahl Kleinvieh weidet, wird sich die Natur in der Ägäis erstaunlich schnell erholen, da die Bedingungen nahezu ideal sind. Es ist uns zu Ohren gekommen, dass eine Studie in Auftrag gegeben wurde mit dem Ziel, die tragfähige Anzahl von Kleinvieh auf der Insel zu bestimmen, um den ökologischen Ausgleich zu erreichen. Tatsächlich ist eine optimale Zahl von Kleinvieh vonnöten, um eine gänzliche Wiederbewaldung zu vermeiden. 

Tilos bietet ein floristisches Potenzial, das diese Insel zu den schönsten in der Ägäis einreiht. Die Anzahl Einwohner ist noch sehr gering, vielleicht zu gering, um eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung zu gewährleisten. Die Landschaftszerstörung infolge von Bauten hat noch nicht eingesetzt - mit Ausnahme einiger kleiner Projekte.

Besprechung der Pflanzenfunde
Die folgenden Arten, die wir auf Tilos gefunden haben, verdienen einen Kommentar: 

·         Asteriscus maritimus: Nie zuvor trafen wir in der Ägäis auf so viele Exemplare

·         Cyperus capitatus am Strand von Eristos: Sehr starke Pflanzen, eine wahre Pracht

·         Eryngium maritimum ebenfalls am Strand von Eristos: Dasselbe gilt für diese Art.

·         Inula verbascifolia ssp heterolepis ist ein botanisches Felsjuwel auf Tilos. Es mag gut sein, dass Botaniker auf Tilos noch I. candida oder beide zusammen finden

·         Knautia integrifolia ssp. mimica ist so häufig wie nie zuvor in der Ägäis festgestellt

·         Ophrys: Wir hatten Schwierigkeiten bei der Artenbestimmung in der Gruppe O. blithopertha betroffen war. Wir haben europäische Experten konsultiert, um diese Gruppe näher zu untersuchen. Die Resultate werden später veröffentlicht. Zusammen fanden wir 8 Ragwurzarten, was weit mehr als die bisher auf Tilos festgestellten und in der Literatur publizierten Arten ist.

·         Wir fanden eine ganze Anzahl für Tilos neuer Knabenkrautarten. Auch diese Arten werden wir nach näherer Prüfung später publizieren.

·         Phlomis floccosa: Diese wirklich herausragende Art hat ihre Wurzeln in Afrika. Sie war bisher von Karpathos bekannt. Nun haben wir sie auch auf Tilos gefunden.

·         Pistacia terebinthus ssp. palaestina: Dieser Kulturbaum, der die berühmten Pistaziennüsschen hervorbringt, ist auf Tilos verbreitet. Wir bezweifeln hingegen, ob es sich wirklich um diese Unterart handelt. Wir halten es eher für die ssp. vera, da die Blätter kahl sind.

·         Plantago: Wir fanden 7 Arten, eine auffällige Vielfalt auf einer so kleinen Insel

·         Quercus: Wir fanden 5 Arten, wovon eine als Qu. aucheri und als Endemit bezeichnet wird. Dieser Endemit sollte jedoch untersucht werden, denn die Bäume, die wir näher anschauten, hatten einen deutlichen Bezug zu Qu. coccifera.

·         Rosularia serrata: Nur selten fanden wir in der Ägäis diese Art. Auf Tilos fanden wir sie in einer Höhle bei Gera

·         Securigera securidaca: Die Exemplare, die wir fanden, waren bedeutend größer als jene, die wir sonst in der Ägäis sahen. Es wäre zu untersuchen, ob es sich nicht um eine Varietät handelt. Auch der Habitus erschien uns anders als beim Typus.

·         Serapias: Wir fanden S. bergonii, S. orientalis and S. parviflora, von denen S. orientalis bemerkenswert ist.

·         Sideritis: Eines der flauschigsten Pflänzchen von Tilos ist wohl Sideritis lanata mit seiner flaumigen, lieblich-feinen Haartracht. Auch Sideritis curvidens, fand unsere besondere Aufmerksamkeit

·         Silene conica: Diese Pflanze macht von der Blüte- zur Fruchtzeit eine auffällig Veränderung im Kelch durch. Wir fanden einige herausragende Exemplare am Strand von Eristos.

·         Trifolium: Von den 7 Arten, die wir fanden, fiel uns besonders T. speciosum auf.

·         Valerianella vesicara: Diese Pflanze bläht ihren Kelch nach der Blütezeit auf, so dass die Früchte wie ein Mini-Golfball erscheinen. Nirgends sonst fanden wir eine so reichliche Ansammlung. Es ist selbstredend, dass unser Aufenthalt von ein bisschen mehr als einer Woche nicht in eine wissenschaftliche fundierte Flora von Tilos münden kann. Wir haben die Arten aufgeschrieben, die an unserem Weg lagen - und dieser führte uns meistens auch tief in die Phrygana und ins Gebüsch! Ich bin überzeugt, dass viele Arten noch gefunden werden, wenn später Botaniker ganzjährige Feldstudien auf Tilos unternehmen Im Allgemeinen stellt die Flora von Tilos eine bemerkenswerte Vielfalt dar. Diese Flora ist ein derartiges Naturjuwel, dass die Aktivitäten des Tilos Park Projektes allein schon in der Flora gut begründet sind. Ich gratuliere der Parkorganisation zu ihrer schwierigen, aber fruchtbaren Arbeit. Insbesondere wünsche ich unserem Freund Konstantinos Mentzelopoulos viel Erfolg in seinem selbstlosen Einsatz. 

Wenn dieser Bericht und die Liste im Internet veröffentlicht werden sollten, denke der Leser bitte daran, dass es sich um eine vorläufige Liste handelt.


zurueck

 


Zuletzt aktualisiert am Samstag, 28. März 2009 um 11:00 Uhr